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Transkranieller MRgFUS in der funktionellen Neurochirurgie

Vielversprechende Ergebnisse bei der Behandlung von Schmerz, Tremor und Parkinson mit dem ExAblate Neuro*

Operationen am Gehirn, ohne die Schädeldecke zu öffnen. Dies ermöglicht das MRT-gesteuerte Ultraschallsystem ExAblate Neuro*. Das Universitätskinderspital in Zürich erprobt das Gerät seit Mitte 2006. Seit April 2010 wird das Verfahren auch in Solothurn am Zentrum für funktionelle Ultraschall-Neurochirurgie auf dem Discovery MR750 des Rodiag Diagnostic Centers mit vielversprechenden Ergebnissen eingesetzt.

Die transkranielle MRT-gesteuerte Fokussierte Ultraschalltherapie (TcMRgFUS) bietet ein großes Potential für die Behandlung verschiedenster neurologischer Erkrankungen. Der Eingriff erfolgt unter lokaler Anästhesie und ohne Öffnung des Schädels mit visueller MRT-Echtzeitkontrolle der laufenden Therapie. Dieser nicht-invasive Therapieansatz ist mit einem wesentlich geringeren Interventionsrisiko verbunden als offene chirurgische Eingriffe.

Funktionsstörungen im Gehirn sind sehr vielfältig und umfassen Phantomschmerzen, Parkinsonsche Symptome, Tremor (Zittern), Tinnitus, Epilepsie usw. Viele Patienten mit derartigen Hirnfunktionsstörungen sind therapieresistent, und weder Medikamente noch andere Behandlungsformen können ihre stark eingeschränkte Lebensqualität verbessern. Den hohen Leidensdruck lindern kann nur noch eine Hirnoperation. Dies ist jedoch, wie jede Operation, mit Infektionsund Blutungsgefahr verbunden. Außerdem zerstören die Instrumente beim Eindringen Hirngewebe – und dies an einem Ort, wo jeder Millimeter kostbar ist.

Das ExAblate Neuro für den transkraniellen MRgFUS-Einsatz könnte die Operationstechnik zur Behandlung von Hirnfunktionsstörungen revolutionieren. Das System verfügt über einen helmartigen Transducer, der aus 1024 Ultraschallelementen besteht. So durchdringen die Ultraschallwellen den intakten Schädelknochen von allen Seiten, um im vorher festgelegten Zielpunkt im Innersten des Gehirns die Zellen der fehlfunktionierenden millimeterkleinen Region des Thalamus auszuschalten. Der ganze Eingriff geschieht bildgesteuert und unter laufender Kontrolle der Temperatur am Zielort. Der hochenergetische Ultraschall koaguliert den krankmachenden Bereich im Thalamus hochpräzise – ohne Bohrer oder Skalpell. Dabei handelt es sich um millimetergroße dysfunktionelle Regulationsgebiete im Thalamus, die als optimale Zielpunkte für die TcMRgFUS-Behandlung gelten. Denn die Zellen dort – und nur dort – sind zu 99 Prozent für ihre normale Funktion ausgeschaltet.

Neben der Behandlung von Hirnfunktionsstörungenbietet das ExAblate Neuro noch weitere vielversprechende Anwendungsmöglichkeiten, die gegenwärtig im Rahmen von Studien der Firma InSightec an weltweit sieben Standorten erprobt werden. Die Universität Zürich ist an einer klinischen Studie zur Tumorablation im Hirn mittels TcMRgfus beteiligt. Weitere mögliche Einsatzgebiete sind „Targeted Drug Delivery“ – bei dem die Blut-Hirn-Schranke durch Ultraschall kurzzeitig geöffnet wird, um Medikamente gezielt in bestimmte Hirnbereiche eindringen zu lassen – sowie die Auflösung von Blutgerinnseln mittels Fokussiertem Ultraschall. Hierzu gibt es bereits erste präklinische Ergebnisse.

Klinische Studien zu Einsatzgebieten des ExAblate Neuro:

- Tumorablation im Hirn

- Neurologische Funktionsstörungen

- Auflösung von Blutgerinnseln bei Schlaganfall

- Targeted Drug Delivery

*Das hier vorgestellte Gerät ExAblate Neuro der Firma InSightec ist noch nicht CE-zertifiziert und ausschließlich für den Einsatz in der klinischen Forschung geeig.

Stand: August 2012

Transkranieller MRgFUS in der funktionellen Neurochirurgie PDF "Transkranieller MRgF.." (194.08 KB)

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